"4 gewinnt" – Der neue Mobilturbo unter der Lupe

Die Nachfolgegeneration des aktuellen Mobilfunkstandards UMTS, auch 4G bzw. LTE – „Long Term Evolution“ genannt, steht in den Startlöchern. Im 2. Quartal dieses Jahres werden die Frequenzen durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) versteigert. Durch die UMTS-Auktion im Jahr 2000 flossen fünfzig Milliarden Euro in die Bundeskasse. Damit hätte man damals Commerzbank, Volkswagen und Lufthansa zusammen erwerben können. Dieses Mal werden die aktuell 6 Bewerber wegen geänderter wirtschaftlicher Rahmendaten weniger Geld einbringen.

Während in Deutschland LTE in Feldversuchen noch getestet wird, ist im vergangenen Dezember bereits das weltweit erste LTE-Angebot durch Teliasonera in Stockholm gestartet worden. Gerade haben die Schweden auch den Ausbau für die 25 größten Städte ihres Landes in 2010 bekanntgegeben. Andere Netzanbeiter reagieren bereits. Verizon Wireless in den USA und NTT Docomo in Japan haben beschlossen, LTE-Netze aufzubauen.

Was wird sich durch LTE verändern? Im Jahr 2002 konnten Daten im UMTS-Netzwerk  im Down- und UpLink mit 0,4 MBit pro Sekunde übertragen werden. LTE soll 2013 125 mal (UpLink) bzw. 250 mal (DownLink) schneller sein. Feldversuche zeigten, dass es im Vergleich zu UMTS weniger störungsanfällig ist, die Verbindungen sich schneller aufbauen, und es zugleich kostengünstiger als die Konkurrenztechnologie WIMAX ist. Durch diese Hochgeschwindigkeitsübertragung werden qualitativ hochwertigere Dienstleistungen wie u.a. mobile Konferenzen oder mobiles Fernsehen massentauglich.

Im Jahr 2000 war dieses Marktsegment erst im Entstehen. Heute können die Bewerber leicht das erwartete Marktvolumen und –wachstum einschätzen. Im Jahr 2010 sollen laut Gartner Group und IDC weltweit zwischen 1-1,2 Milliarden Menschen mobile webfähige Endgeräte nutzen. In Deutschland hat sich das Datenvolumen der regelmäßigen UMTS-Nutzer nach Angaben der Bundesnetzagentur von 2005 bis 2008 versechfacht. Für 2010 wird nochmals mit einem starken Anstieg gerechnet, Treiber hierfür, die mobile Videonutzung. Kurz, dies ist der Telekommunikationsmarkt schlechthin.

Was spricht für einen Erfolg von LTE? Zunächst wird es sicher zu einer Nutzungsverzögerung kommen, da LTE neben den neuen Radiofrequenzen, PC-Modems, Basistationen auch massenhaft LTE-fähige Endgeräte benötigt. Die unnötige Diskussion „WAP – Where are the phones?“ dürfte sich jedoch nicht mehr wiederholen, da Netzbetreiber und Konsumenten aus der Erfahrung vor 10 Jahren gelernt haben dürften. Von heute aus betrachtet werden bis 2015 nach einer Cap Gemini-Studie in einem pessimistischen Szenario  25% der deutschen Bevölkerung LTE-Nutzer sein, in einem optimistischen Szenario 75%. Für einen Erfolg werden auch die beiden Initiativen der Bundesregierung sorgen, die eine flächendeckende Breitbandversorgung in 2010 gemäß Konjunkturpaket II und eine Versorgung von 75% aller deutschen Haushalte mit einem Internetanschluss mit mindestens 50 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit fordern. Allerdings konkurriert LTE bei der Versorgung der ländlichen Bevölkerung durch die frei werdenden Frequenzen („Digitale Dividende“) mit DSL, VDSL und dem Kabelanschluss.

Gleichzeitig kann nur förderlich sein, dass gerade ein großer Wechseltrend von klassischen Mobiltelefonen auf Smartphones von NOKIA, Apple (iPhone), RIM (Blackberry) usw. festzustellen ist, bei denen der mobile Internetzugang standardmäßig vorhanden ist. Günstige Flatrateangebote werden ein Übriges beisteuern.

Gewinnen werden den Wettlauf um LTE-Erträge, die Anbieter, die am schnellsten ein massenfähiges Angebot bereitstellen können. Denn zur herbeigesehnten Killerapplikation – der Anwendung, die den massenhaften Erfolg schafft, gehört immer, und das wird meist vergessen, ein „Killer-Geschäftsmodell.“ Daher scheint auch hier zu gelten, was schon lange Bestand hat: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“


Thomas Lerner
Vorstand expertplace consulting AG
http://consulting.expertplace.de